Aktuelle Ausgabe: Jahrgang 61, Nr. 35, 04. September 2010
ZUR SACHE
Eine Charakterfrage
Eigentlich sollte es eine ausgelassene Party werden – ein Massen-Event, wie man heute sagt. Am Ende starben vor einem Tunnel nahe des Duisburger Bahnhofs 21 junge Menschen. 500 wurden verletzt. Die Opfer wurden von einer Menschenmasse erdrückt, deren Größe und Gefahrenpotenzial offenbar im Vorfeld der Love Parade von den Verantwortlichen sträflich unterschätzt worden ist.
Jetzt folgt der Tragödie zweiter Teil. Keiner will’s gewesen sein. Die Beteiligten brechen ihr ursprüngliches Schweigen und schieben sich gegenseitig mit viel Bedacht die Schuld in die Schuhe: Veranstalter, Verwaltung, Sicherheitskräfte, Polizei und Politik. Taktik statt Trauer! Ein schäbiges Schauspiel! Dabei geht es jetzt nicht um die Frage, wer Schuld hatte. Das müssen Staatsanwälte und Gerichte klären. Jetzt geht es um die Frage der Verantwortung. Sie zu übernehmen ist eine Charakterfrage. Davon ist bei den Handelnden wenig zu erkennen.
Peter Hausmann




